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ETF Schwellenländer: Indizes, Länder und Produkte im Blick

ETF Schwellenländer im Überblick: MSCI Emerging Markets, FTSE Emerging, Länderzusammensetzung, Produktmerkmale und Risiken – neutral und sachlich erklärt.

JennyJenny·14.08.2026· 26 Min.
Weltkarte aus verschiedenen Münzen auf grauem Hintergrund, als Darstellung globaler Finanzmärkte
InhaltZusammenfassung der wichtigsten Punkte

Ein Schwellenländer-ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds, der Aktien von Unternehmen aus aufstrebenden Volkswirtschaften wie China, Indien oder Brasilien bündelt und breit gestreut abbildet. Als Anlegerin ordnest du einen solchen Fonds am besten als Beimischung ein, als sogenannten Satelliten zu einem breit gestreuten Welt-ETF-Kern, nicht als Basisinvestment. Zur Orientierung dienen zwei dominierende Indexfamilien, der MSCI Emerging Markets und der FTSE Emerging.

Hier bekommst du einen neutralen Überblick über die Indizes, die Länderzusammensetzung, die Produktmerkmale und die Risiken. Die Frage, ob sich Schwellenländer im Portfolio überhaupt lohnen, vertiefen wir separat im Schwesterartikel unter Emerging-Markets-ETF sinnvoll.

Zusammenfassung der wichtigsten Punkte

  • Ein Schwellenländer-ETF gehört als Beimischung ins Depot, nicht als Basis-Investment.
  • Der MSCI Emerging Markets und der FTSE Emerging sind die zwei dominierenden Indexfamilien.
  • China macht rund ein Viertel bis ein Drittel des Standardindex aus, das größte Klumpenrisiko.
  • Der Russland-Fall 2022 zeigt, dass einzelne Länder komplett aus dem Index fallen können.
  • Für die passende Gewichtung im Gesamtportfolio lohnt sich eine individuelle Beratung.

Was ein Schwellenländer-ETF genau ist

Ein Emerging Markets ETF kauft nicht einzelne Titel nach Bauchgefühl, sondern bildet einen ganzen Index nach. Kaufst du einen Anteil, bist du automatisch an Hunderten oder Tausenden Unternehmen aus Ländern wie China, Taiwan, Indien oder Südkorea beteiligt. Das Grundprinzip ist dasselbe wie bei einem Welt-ETF, nämlich breite Diversifikation zu niedrigen Kosten, ganz ohne Einzeltitel-Auswahl. Wer die Grundlagen dazu vertiefen möchte, findet in unserem Ratgeber zu ETF für Frauen einen guten Einstieg.

Der Unterschied liegt im Anlageuniversum. Statt Industrieländer wie die USA oder Deutschland abzubilden, konzentriert sich ein solches Produkt ausschließlich auf Emerging Markets. Damit ist es ein spezialisierter Baustein, gedacht als Ergänzung, nicht als Fundament. Ob eine Übergewichtung für dich Sinn ergibt, hängt von deiner Gesamtstrategie ab. Ob Schwellenländer überhaupt noch ins Portfolio gehören, beleuchten wir im verlinkten Schwesterartikel.

Schwellenländer, Industrieländer und Frontier Markets: die Abgrenzung

Ein Schwellenland ist eine Volkswirtschaft im Übergang. Sie wächst dynamischer als etablierte Industrieländer, hat aber noch nicht deren Reifegrad erreicht. Typische Merkmale sind eine junge Bevölkerung, steigende Einkommen und eine wachsende Mittelschicht. Gleichzeitig sind die Kapitalmärkte weniger entwickelt, die politische Lage oft weniger stabil und die Regulierung schwächer.

Industrieländer wie die USA, Japan oder Deutschland stehen am anderen Ende: hohe Börsenreife, tiefe und liquide Kapitalmärkte, verlässliche Rechtssysteme. Dafür ist das Wirtschaftswachstum meist gemächlicher.

Unterhalb der aufstrebenden Volkswirtschaften folgen die Frontier Markets, die sogenannten Grenzmärkte. Länder wie Vietnam, Kenia oder Nigeria zählen dazu. Sie bieten theoretisch hohes Wachstumspotenzial, sind aber schwer zugänglich, illiquide und deutlich riskanter. Für die meisten Emerging-Markets-ETFs spielen sie keine Rolle. Diese Einteilung ist kein Naturgesetz, sondern das Werk der Indexanbieter, und genau darum geht es im nächsten Schritt.

Wie MSCI und FTSE Länder einstufen

MSCI und FTSE Russell sind die beiden großen Indexanbieter, die entscheiden, welches Land als Emerging Market gilt. Beide prüfen Kriterien wie Wirtschaftsentwicklung, Größe und Liquidität des Aktienmarktes sowie die Zugänglichkeit für ausländische Anlegerinnen.

Interessant wird es, weil beide Anbieter zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Das bekannteste Beispiel ist Südkorea. MSCI führt das Land weiterhin als Schwellenland, FTSE stuft es dagegen bereits als Industrieland ein. Ein Schwellenländer-ETF auf den FTSE Emerging enthält kein Südkorea, ein Fonds auf den MSCI Emerging Markets schon. Kombinierst du einen Schwellenländer- mit einem Industrieländer-ETF, solltest du deshalb bei einem Anbieter bleiben, sonst fehlt Südkorea in beiden Fonds oder taucht doppelt auf.

Mögliche Höherstufungen: Was passiert, wenn ein Land aufsteigt

Die Klassifizierung ist nicht in Stein gemeißelt. Steigt ein Land vom Schwellen- zum Industrieland auf oder umgekehrt, wird der Index umgebaut. Bei MSCI etwa wird seit Jahren über eine mögliche Höherstufung Südkoreas diskutiert. Zugleich hat Indien sein Gewicht in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut.

Für den Fonds bedeutet eine Umklassifizierung ein Rebalancing. Fällt ein Land aus dem Index, verkauft der ETF die entsprechenden Titel und verteilt das Kapital neu. Die Ländergewichte verschieben sich, ohne dass du selbst etwas tun musst. Solche Anpassungen laufen im Hintergrund ab, sie können aber spürbar verändern, in welchen Ländern dein Geld am Ende steckt.

Die wichtigsten Indizes für Schwellenländer-ETFs im Vergleich

Vier Indexvarianten prägen den Markt: der klassische MSCI Emerging Markets, seine breitere Version MSCI Emerging Markets IMI mit Small Caps, der FTSE Emerging sowie die ex-China-Varianten beider Anbieter. Sie unterscheiden sich vor allem in der Anzahl der enthaltenen Titel, in der Frage, ob kleine Unternehmen dabei sind, und im China-Anteil. Für dich als Anlegerin entscheidet die Indexwahl darüber, welche Länder, wie viele Einzeltitel und welches Klumpenrisiko am Ende in deinem Emerging Markets ETF landen.

IndexAnzahl Titel (ca.)Small CapsChina enthaltenGesamtkostenquote p. a.
MSCI Emerging Markets~1.300NeinJa0,14–0,20 %
MSCI Emerging Markets IMI~3.200JaJa0,18–0,25 %
FTSE Emerging~2.000TeilweiseJa0,15–0,22 %
MSCI EM ex China~700NeinNein0,18–0,35 %

Stand 2026, ungefähre Werte laut MSCI- und FTSE-Factsheets. Titelanzahl und Gesamtkostenquote schwanken je nach Anbieter.

Der MSCI Emerging Markets ist der Standard und die Referenz der Branche. Der FTSE Emerging enthält mehr Titel, weil er anders zuschneidet und Südkorea ausklammert. Welche FTSE-Emerging-ETFs sich hier im direkten Vergleich behaupten, lässt sich anhand konkreter Produktdaten nachvollziehen. Wer maximale Breite sucht, schaut sich die IMI-Variante an. Wer China gezielt heraushalten will, greift zur ex-China-Version. Keine dieser Varianten ist per se besser, sie bedienen unterschiedliche Bedürfnisse. Große Anbieter wie iShares, Xtrackers, Amundi, UBS und Invesco decken die meisten dieser Indexvarianten ab.

MSCI EM IMI und Small Caps: Was die breitere Variante bringt

IMI steht für Investable Market Index. Anders als der Standardindex, der nur große und mittelgroße Unternehmen abbildet, nimmt die IMI-Variante zusätzlich Small Caps auf, also kleine, börsennotierte Firmen. Dadurch steigt die Titelanzahl von rund 1.300 auf etwa 3.200.

Der Vorteil liegt in der Diversifikation. Du deckst nahezu den gesamten investierbaren Markt der aufstrebenden Volkswirtschaften ab. Small Caps können in Wachstumsphasen zusätzliche Rendite liefern. Der Nachteil ist überschaubar. Die Gesamtkostenquote liegt meist etwas höher, und der Unterschied in der Wertentwicklung gegenüber dem Standardindex ist historisch klein. Für die meisten Anlegerinnen ist die IMI-Variante eine solide, aber keine zwingende Wahl.

EM ex China: Für wen sich die China-freie Variante eignet

Die ex-China-Variante lässt genau ein Land weg, das größte. Interessant ist sie für zwei Anlegertypen. Der erste will China überhaupt nicht im Portfolio haben, aus politischen oder Risiko-Überlegungen. Der zweite will China selbst steuern und kombiniert einen EM-ex-China-ETF mit einem separaten China-Produkt, um die Gewichtung eigenständig zu bestimmen.

Die Kehrseite ist nicht zu unterschätzen. Ex-China-Fonds sind teurer, die laufenden Gebühren liegen bei bis zu 0,35 statt 0,20 Prozent. Das Fondsvolumen ist oft kleiner, was die Handelbarkeit einschränken kann. Und du reduzierst zwar das China-Klumpenrisiko, verlierst aber auch die Beteiligung am größten Schwellenland überhaupt.

Länderzusammensetzung: Wo dein Geld wirklich landet

Ein Schwellenländer-ETF klingt nach maximaler Streuung über den halben Globus. Tatsächlich konzentriert sich der Großteil deines Geldes auf wenige Länder. Die Top 5 machen im Standardindex zusammen den weit überwiegenden Teil aus, während die übrigen über zwanzig enthaltenen Länder sich den kleinen Rest teilen. Die folgende Tabelle zeigt, wie sich das Kapital im MSCI Emerging Markets auf die größten Länder verteilt.

LandUngefährer Anteil im MSCI Emerging Markets
Chinaca. 27 %
Taiwanca. 19 %
Indienca. 18 %
Südkoreaca. 11 %
Brasilienca. 5 %

Stand 2026, ungefähre Werte laut MSCI-Factsheet. Die Gewichte verschieben sich laufend mit den Kursen.

Vier Länder, China, Taiwan, Indien und Südkorea, vereinen zusammen rund drei Viertel des Index. Diese Konzentration ist der zentrale Punkt, den du verstehen musst, bevor du investierst. Denn was nach globaler Diversifikation aussieht, ist in Wahrheit stark auf Ostasien fokussiert. Wenn du dich generell mit dem Thema Einzelwerte und Streuung beschäftigst, hilft dir unser Beitrag zu Aktien für Frauen beim Einordnen.

Infografik: Länderzusammensetzung: Wo dein Geld wirklich landet Land: China | Ungefährer Anteil im MSCI Emerging Markets: ca. 27 % L...

Der China-Anteil als größtes Klumpenrisiko

China ist mit rund 27 Prozent (Stand 2026, MSCI-Factsheet) das mit Abstand am stärksten gewichtete Land im MSCI Emerging Markets. Zeitweise lag der Anteil sogar bei über 40 Prozent. Mehr als jeder vierte investierte Euro fließt also in ein einziges Land, und zwar in eines mit erheblichen politischen und regulatorischen Unsicherheiten.

Ab wann wird das zum Klumpenrisiko? Sobald ein einzelnes Land die Wertentwicklung deines gesamten Fonds dominiert. Genau das ist bei China der Fall. Eine schlechte Phase am chinesischen Aktienmarkt zieht den kompletten Emerging Markets ETF nach unten, egal wie gut sich Indien oder Brasilien entwickeln.

Hinzu kommt die geopolitische Dimension. Die Spannungen zwischen China und Taiwan sind real, und beide Länder zusammen machen fast die Hälfte des Index aus. Ein ernsthafter Konflikt in der Region würde nicht nur einzelne Titel treffen, sondern potenziell den halben Fonds. Der chinesische Staat greift zudem regelmäßig in ganze Branchen ein, siehe die Regulierungswelle gegen Technologie- und Bildungskonzerne vor einigen Jahren. Solche Eingriffe lassen sich nicht vorhersehen und können Milliardenwerte über Nacht vernichten.

Taiwan und die Halbleiter: Ein Sektor-Klumpen im Index

Neben dem Länderrisiko steckt im Index ein zweiter, oft übersehener Klumpen: die Halbleiterindustrie. Taiwan macht rund 19 Prozent der Marktkapitalisierung im MSCI Emerging Markets aus, und ein einziges Unternehmen, der Chiphersteller TSMC, ist mit Abstand der größte Einzeltitel im gesamten Index. Auf diese eine Aktie entfallen je nach Kurs deutlich über sieben Prozent.

Ein erheblicher Teil deiner Wertentwicklung hängt damit am Wohl und Wehe eines einzelnen Konzerns und einer einzigen Branche. Kommt es zu einem Nachfrageeinbruch oder, schlimmer, zu einem Konflikt um Taiwan, trifft dich das doppelt: über das Land und über den Sektor. Diese Konzentration auf Halbleiter ist ein Diversifikationsrisiko, das im Wort „breit gestreut" gern untergeht.

Nahaufnahme eines Kreisdiagramms auf farbigem Papier, das Finanzdaten und Analyse hervorhebt.
RDNE Stock project

Der Russland-Fall 2022 als Lehrstück fürs Totalausfallrisiko

Wie schnell ein ganzes Land aus einem Index verschwinden kann, hat der Fall Russland 2022 gezeigt. Vor dem Angriff auf die Ukraine war Russland mit einigen Prozent im MSCI Emerging Markets vertreten, ein normaler Baustein wie jeder andere.

Mit den westlichen Sanktionen brach der Handel mit russischen Schwellenländer-Aktien praktisch zusammen. Ausländische Anlegerinnen konnten ihre Papiere weder verkaufen noch bewerten. Innerhalb weniger Wochen flogen die russischen Aktien komplett aus den Emerging-Markets-Indizes, indem MSCI und FTSE das Land von einem Schwellenland auf „Standalone" herabstuften. Die russischen Positionen wurden dabei faktisch mit null bewertet. Für Anlegerinnen bedeutete das einen realen Totalverlust auf den Russland-Anteil.

Die Lehre daraus ist unbequem, aber wichtig. In aufstrebenden Volkswirtschaften kann geopolitisches Risiko innerhalb kürzester Zeit zum Totalausfall eines ganzen Landes führen. Kein noch so breiter Index schützt davor vollständig. Das ist kein Argument gegen einen Schwellenländer-ETF, aber ein starkes Argument dafür, ihn als kalkulierte Beimischung zu behandeln und nicht als sicheres Fundament deines Vermögens.

Tablet mit Börsencharts zum Crash 2020 neben ausgedruckten Diagrammen im Flatlay
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So findest du deine passende Schwellenländer-Gewichtung

Wie viel Schwellenländer gehören ins Depot? Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Die richtige Gewichtung hängt von deinem Anlagehorizont, deiner Risikotragfähigkeit und dem Rest deines Portfolios ab. Wer erst startet, wählt meist eine andere Aufteilung als jemand, der bereits sechsstellig investiert ist. Grundlegende Überlegungen zur passenden Geldanlage für Frauen helfen dir, die eigene Ausgangslage einzuschätzen.

Gerade für Frauen ist der lange Anlagehorizont ein echter Vorteil. Elternzeit oder Teilzeit drücken die Sparrate zwar zeitweise, über zwanzig oder dreißig Jahre gleicht sich die höhere Volatilität der Schwellenländer-Aktien aber eher aus als über fünf Jahre. Entscheidend ist, dass du die Schwankungen aushältst, ohne in einer schwachen Phase nervös zu verkaufen.

Genau hier setzt Investforwomen an. Das Expertinnen-Team hilft Frauen, die zum eigenen Leben passende Gewichtung im Portfolio zu finden, statt sich an einer pauschalen Faustregel zu orientieren, die deine persönliche Situation gar nicht kennt.

Auswahlkriterien für einen Schwellenländer-ETF

Hast du dich für eine grobe Gewichtung entschieden, folgt die Produktauswahl. Statt nach dem vermeintlich „besten" Fonds zu suchen, achtest du besser auf ein paar objektive Kennzahlen. Denn welches Produkt in den letzten drei Jahren die beste Wertentwicklung zeigte, sagt dir nichts darüber, wie es sich künftig schlägt. Wichtiger ist, dass es zu deiner Anlagestrategie passt, kostengünstig arbeitet und langfristig verlässlich handelbar bleibt. Vier Kriterien helfen dir dabei:

  • Gesamtkostenquote (TER): die jährlichen laufenden Kosten des Fonds
  • Fondsvolumen: wie viel Kapital der Fonds insgesamt verwaltet
  • Replikationsmethode: physisch oder synthetisch nachgebildet
  • Ausschüttungsart: thesaurierend oder ausschüttend

Diese vier Punkte sagen mehr über die Eignung eines Produkts aus als jede Renditetabelle der Vergangenheit. Wer zusätzlich auf Nachhaltigkeit achtet, findet inzwischen auch viele ETF-Varianten mit ESG-Filter. Die folgenden Abschnitte erklären, worauf es bei jedem Kriterium ankommt.

Gesamtkostenquote und Fondsvolumen richtig einordnen

Die Gesamtkostenquote, also die Total Expense Ratio (TER), beziffert die jährlichen laufenden Kosten als Prozentsatz deines Anlagebetrags. Bei diesen Fonds liegt sie meist zwischen 0,14 und 0,25 Prozent pro Jahr, höher als bei einem MSCI World-ETF, weil Schwellenmärkte aufwändiger abzubilden sind. Über Jahrzehnte macht der Unterschied zwischen 0,15 und 0,30 Prozent bei einem großen Depot durchaus ein paar Hundert Euro aus. Blindes Kostensparen ist trotzdem nicht klug, wenn dafür andere Kriterien leiden. Beim Handel spielt außerdem der Spread eine Rolle, die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs, die bei liquiden Produkten geringer ausfällt.

Das Fondsvolumen ist die zweite wichtige Größe. Als Faustregel gilt ein Volumen von mindestens 100 Millionen Euro als wirtschaftlich tragfähig. Kleinere Fonds laufen eher Gefahr, vom Anbieter geschlossen zu werden. Dann wird dein Anteil zwangsweise verkauft, was Steuern auslösen und deinen Sparplan durcheinanderbringen kann. Ein großes Volumen ist also weniger eine Renditefrage als eine Frage der Planungssicherheit.

Physische und synthetische Replikation bei schwer zugänglichen Märkten

Replikation beschreibt, wie ein UCITS ETF seinen Index nachbildet. Bei der physischen Methode kauft der Fonds die enthaltenen Titel tatsächlich, entweder alle (Vollreplikation) oder eine repräsentative Auswahl (optimiertes Sampling). Sampling ist bei Schwellenländern üblich, weil manche der Tausenden Titel schlicht zu klein oder zu illiquide sind, um sie sinnvoll einzeln zu halten.

Bei der synthetischen Nachbildung kauft der Fonds die Aktien nicht direkt, sondern sichert sich die Indexrendite über einen Tauschvertrag, einen sogenannten Swap, mit einer Bank ab. Gerade bei schwer zugänglichen Schwellenmärkten kann das kostengünstiger und präziser sein. Der Nachteil ist ein Kontrahentenrisiko. Fällt der Swap-Partner aus, kann das den Fonds treffen, gesetzlich ist dieses Risiko bei einem UCITS ETF allerdings begrenzt. Beide Methoden eignen sich für den langfristigen Vermögensaufbau, die Wahl ist eher Geschmackssache.

Thesaurierend oder ausschüttend wählen

Ein thesaurierender Fonds legt die Dividenden der enthaltenen Unternehmen automatisch wieder an. Das ist ideal für den langfristigen Vermögensaufbau, weil der Zinseszinseffekt ohne dein Zutun arbeitet, perfekt für einen Sparplan, den du einfach laufen lässt.

Ein ausschüttender Fonds zahlt die Dividenden dagegen regelmäßig auf dein Konto aus. Das passt, wenn du ein zusätzliches Einkommen möchtest oder deinen jährlichen Steuerfreibetrag gezielt ausnutzen willst. Wer die Dividenden gezielt als passives Einkommen nutzen möchte, ist mit der ausschüttenden Variante gut bedient. Für die reine Vermögensbildung über Jahrzehnte ist die thesaurierende Variante meist die bequemere Wahl.

Währungsrisiken und ihr Einfluss auf deine Rendite

Ein Punkt, der oft unterschätzt wird: Deine Wertentwicklung hängt nicht nur von den Aktienkursen ab, sondern auch von Wechselkursen. Ein Schwellenländer-ETF hält Titel, die in lokalen Währungen wie dem chinesischen Yuan, der indischen Rupie oder dem brasilianischen Real notieren. Häufig läuft die Fondswährung zudem über den US-Dollar.

Für dich als Euro-Anlegerin bedeutet das: Steigt der Euro gegenüber diesen Währungen, schmälert das deine Rendite, selbst wenn die Kurse in lokaler Währung zugelegt haben. Fällt der Euro, wirkt es umgekehrt als Rückenwind. Über kurze Zeiträume kann dieser Effekt spürbar sein.

Eine Währungsabsicherung lohnt sich bei langfristigen Aktienfonds trotzdem meist nicht. Sie kostet zusätzliche Gebühren und frisst damit einen Teil der Erträge. Über zwanzig oder dreißig Jahre gleichen sich Währungsschwankungen tendenziell aus. Für den langfristigen Vermögensaufbau kannst du das Währungsrisiko in der Regel bewusst in Kauf nehmen.

Besteuerung von Schwellenländer-ETFs für deutsche Anlegerinnen

Steuerlich werden diese Fonds in Deutschland wie andere Aktien-ETFs behandelt. Drei Begriffe solltest du kennen: Teilfreistellung, Vorabpauschale und Quellensteuer.

Die Teilfreistellung stellt bei Aktien-ETFs 30 Prozent der Erträge steuerfrei. Nur die restlichen 70 Prozent unterliegen der Abgeltungssteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Diese Regel gilt für Fonds mit einer Aktienquote von mindestens 51 Prozent, was ein Emerging Markets ETF problemlos erfüllt.

Die Vorabpauschale betrifft vor allem thesaurierende Fonds. Da diese keine Dividenden auszahlen, greift der Staat mit einer jährlichen pauschalen Vorabbesteuerung auf einen fiktiven Mindestertrag zu. Die Quellensteuer wiederum fällt im Ausland an, wenn ein Land Steuern auf Dividenden erhebt, bevor sie beim Fonds ankommen. Bei physisch replizierenden Produkten lässt sich diese je nach Land nicht immer vollständig zurückholen.

Wichtiger Hinweis: Diese Ausführungen sind ein allgemeiner Überblick und ersetzen keine Steuerberatung. Deine persönliche steuerliche Situation solltest du mit einer Steuerberaterin oder einem Steuerberater klären.

Teilfreistellung und Vorabpauschale kurz erklärt

Ein einfaches Rechenbeispiel macht die Teilfreistellung greifbar. Angenommen, dein Fonds wirft 1.000 Euro Gewinn ab. Dank der 30-prozentigen Teilfreistellung bleiben 300 Euro steuerfrei. Versteuert werden nur 700 Euro, darauf fallen rund 25 Prozent Abgeltungssteuer an, also etwa 175 Euro (zuzüglich Soli und eventuell Kirchensteuer).

Bei der Vorabpauschale zahlst du im laufenden Jahr eine kleine Steuer auf einen fiktiven Ertrag, obwohl du nichts verkauft hast. Verkaufst du später tatsächlich mit Gewinn, werden die bereits gezahlten Vorabpauschalen angerechnet, du zahlst also nicht doppelt. Deinen Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Jahr solltest du über einen Freistellungsauftrag nutzen, damit Erträge bis zu dieser Grenze steuerfrei bleiben.

Emerging Markets als Satellit, nicht als Basis

Nach all den Details bleibt die zentrale Einordnung: Ein Schwellenländer-ETF gehört als Beimischung ins Depot, nicht als Fundament. Der Kern deines Portfolios bleibt idealerweise ein breit gestreuter Welt-ETF, etwa auf den MSCI ACWI IMI oder den FTSE All-World, der Industrie- und Schwellenländer bereits kombiniert. Der Emerging Markets ETF kommt dann obendrauf, wenn du die Schwellenländer stärker gewichten willst, als es der Weltindex vorsieht.

Bei der Frage nach der Methodik gilt: Nach Marktkapitalisierung liegt der Schwellenländer-Anteil im Weltindex bei rund zehn Prozent. Nach Wirtschaftsleistung (BIP) fällt er deutlich höher aus, weil die aufstrebenden Volkswirtschaften einen großen Teil der Weltwirtschaft ausmachen. Manche Anlegerinnen gewichten deshalb bewusst höher, etwa auf 20 oder 30 Prozent. Ein reiner MSCI World bildet die Schwellenländer übrigens gar nicht ab, weshalb viele ihn gezielt mit einem Emerging Markets ETF ergänzen. Wer das Thema strategisch angehen will, findet in unserem Überblick zum Investieren für Frauen weitere Anhaltspunkte.

Zur Zurückhaltung mahnt die langfristige Wertentwicklung. Trotz kräftigen Wirtschaftswachstums haben Schwellenländer-Aktien über viele Jahre schlechter abgeschnitten als Industrieländer. Fachleute nennen dieses Phänomen Growth-Return-Gap: Wirtschaftswachstum übersetzt sich nicht automatisch in Aktienrendite. Das ist kein Grund, Schwellenländer zu meiden, aber ein guter Grund, sie nicht zu überdehnen.

Deine individuelle Strategie: Beratung statt Bauchgefühl

Der Überblick hier liefert dir die Bausteine: Du weißt jetzt, welche Indizes es gibt, wo die Klumpenrisiken stecken und worauf du bei der Produktauswahl achtest. Was er nicht liefern kann, ist die eine passende Prozentzahl für dein Depot, denn die hängt von deiner Lebenssituation, deinen Zielen und deinem restlichen Vermögen ab.

Genau dafür gibt es Investforwomen, die digitale 1:1-Investmentberatung ausschließlich für Frauen, gegründet von Jenny Walter. In einem kostenlosen Erstgespräch schaut sich das Expertinnen-Team deine Situation an und entwickelt mit dir eine Strategie, die zu dir passt, ob du gerade erst startest, automatisieren und Kapital aufbauen oder deine Rentenlücke schließen willst. Vereinbare jetzt dein kostenloses Erstgespräch und bring deine Schwellenländer-Frage in den größeren Zusammenhang.

Häufige Fragen zu Schwellenländer-ETFs

Wie hoch ist der China-Anteil im Schwellenländer-ETF?

Im MSCI Emerging Markets liegt der China-Anteil 2026 bei rund 27 Prozent. Warum das zum größten Klumpenrisiko wird, liest du im Abschnitt zum China-Anteil.

Lohnt sich ein EM-ex-China-ETF?

Das hängt davon ab, wie du China bewertest. Die Details dazu findest du im Abschnitt „EM ex China", inklusive der höheren Gesamtkostenquote.

Wie werden Schwellenländer-ETFs in Deutschland besteuert?

Wie andere Aktien-ETFs, mit Teilfreistellung, Abgeltungssteuer und bei thesaurierenden Fonds der Vorabpauschale. Die Einzelheiten stehen im Besteuerungs-Abschnitt.

Wie stark wirkt das Währungsrisiko?

Kurzfristig spürbar, langfristig vernachlässigbar. Mehr dazu im Abschnitt zu den Währungsrisiken.

Quellen

Jenny

Über die Autorin

Jenny

Geschäftsführerin & Gründerin

Jenny weiß seit ihrer Jugend, wie schnell finanzielle Sicherheit ins Wanken geraten kann. Weil die Finanzbranche Frauen nicht abholt, hat sie mit Investforwomen ihre eigene Antwort darauf gegründet.

Mehr über die Autorin
14.08.2026 26 Min.Investieren & Altersvorsorge
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